[In was für einer Welt leben wir eigentlich?]


Heute wird die Gegenwart schon Zukunft genannt.
4 Stunden Freizeit am Tag sind viel.
Und sie vor dem Fernseher zu verbringen ist normal.

Angst besiegt Liebe.

Der Krebs ist die neue Angst der Menschheit.

Hungern ist in und Flüchtlingslager sind voll.

Realitätsflucht heißt jetzt romantische Träumerei.

Substanzen sind zum Etablieren da.
Vor Bindung flüchten wir ins Leere.
Einen Charakter haben wir nicht.

[In was für einer Welt leben wir eigentlich?]

Wer bist du?


Seit heute sind deine Kaffeebohnen alle, das letzte Stückchen Du aus meinen schrägen Wänden verbraucht, verbraucht wie meine Liebe und dein Geist. Hier schwebt er nicht mehr umher, nächtlich dreht er seine Runden nur noch manchmal. Dein Geruch begleitet mich nur noch an graueren Tagen die Straßen entlang, abschütteln geht noch nicht, abschütteln mag ich noch nicht. Lieber drehe ich mich Schritt für Schritt um: stehst du hinter mir? Nie.
In kalten Nächten schreibe ich Dir Briefe, seitenlang, vorwurfsreich, traurig, dich nie erreichend. Das Papier ist geduldig, zieht meinen Schmerz und behält ihn. Ein x-ter Text, gerichtet an Dich, um zu vergessen, zu erzählen, zu verstehen, zu beweinen. Keiner hat es weit gebracht.
Die Bitternis lässt mich verzerrt auflachen und dein Bild verblassen. Es wirkt nur lächerlicher und verzogener, nichts scheinen wir noch zu teilen, nichts.
Überzogen selbstherrlich urteile ich über Dich wie du überzogen selbstherrlich in immer tiefere Tiefen tanzt, ungeachtet der Realität. 
Beschreie dein Unglück und deine Blindheit, stumm und immer wiederholend finde ich Dich nicht mehr, kann Dich nicht mehr greifen, kann dich nicht mehr anblicken, kann nur versuchen Dich zu vergessen. 

[Du stehst und wartest immer noch auf Rückenwind
Und weißt schon längst nicht mehr, wo all die Zeit verrinnt
Wen suchst du, suchst du irgendwen?
Ist das, was kommen soll, denn schon abzusehn?]

Breaking the waves.


Mit dem Auslöser deiner Kamera klingelt der erste Wecker diesen Morgen über der Stadt. Schnelles, hohes Fiepen, ansteigend laut. Langsam geht die Nacht schlafen, der Tagesnebel kehrt zurück, Dunst der großen Stadt. Luftverpestend atemlos.
Blasse Gestalten huschen um jede Ecke, treten den Heimweg gen Realität an, ohne zu wissen, ob sie je ankommen. Fröhlicher Frischebrötchenduft weht durch Sandsteingemäuer und vermischt sich mit Billigwaschmittel. Ölig auf der Haut, staubig in den Haaren.
Fortschreitender Kapitalismus durch alle Ritzen, Glück des Geldes, wer keines hat, is(s)t nichts. Die chinesischen Weisheiten und Körperklause gegen den Stress, den es verursacht und die Ratten, die ihm hinterherlaufen wie dem Fänger aus Hameln. Blind und tollwütig.
Als wüssten wir es alle besser stolzieren wir heute wieder, wohin und warum, das wissen wir nicht. Irgendwen suchen oder irgendwas finden. Uns nicht mehr verstehen oder die anderen nicht mehr hören müssen. Allein, kalt und stolz.


The persistence of memory.


You can't get used to this but you can escape. If you want.


Euer Labilitätskarusell dreht sich und mein Verständnisticket lässt mich noch eine Runde mit Euch drehen.
Auch wenn ich mich fast übergebe halte ich fest an den Ketten aus Versprechen und Hoffnung, höre mir die Melodie der Schwüre zum tausendsten Male an und kann sie schon mitsummen, habe sie selbst mitgeschrieben und werde doch müde, wieder und wieder hinhören zu müssen.
Meine Eintrittskarte zum Rummel Eurer Sucht hat an Farbe verloren, millionen Mal geknickt, abgestempelt, weggeschmissen und wieder aus dem Müll gefischt.
Die Vorstellung wird keine Neue, selten wechseln die Schausteller, viele bleiben heute in ihren Wohnwagen hinter der Bühne gefangen, sperren ab und schmeißen den Schlüßel weg. Oder trauen sich noch einmal vor Publikum, ernten keinen Aplauss mehr, aber geben nicht auf ihre Show fortzusetzen und auf Einnahmen zu hoffen.
Einnahmen aus Nähe und Kredit aus Zeit. Gelockt mit neuen Plakaten von Programmänderung und Layout, von Ablauf und Bühnenbild.
Der Jahrmarkt bleibt, er zieht nicht weiter, er bleibt an Ort und Stelle und dreht alles ein, lässt nichts frei, das keinen Willen bestizt und lockt immer wieder Zuschauer heran.
Und lässt mich fühlen, ich wäre im Kreisel der Lügen und Dämonen gefangen, wie ihr im Antrieb und Auftritt des Eitelkeitenegoismus, der Euch weiter in der Suppe aus ausgeleierter Musik und Schwachheiten tanzen lässt.

„And although he's nothing in the scheme of my years
It just serves to bludgeon my futile tears
And I'm not used to this, no, no, I observe, yeah I don't chase
But now I'm stuck with consequences thrust in my face, yeah

And the melodramas of my day delivery blows
That surpass your rejection, it just goes to show
A simple attraction that reflects right back to me
So I'm not as into you as I appear to be, yeah.“ Amy Winehouse – You sent me flying


It is time to lay down and don't do anything except breathing.

Gefährliche Irrationalität prügelt auf mich ein. Ungekannte Muster fesseln mich an mich. Nichtfühlen macht alles Fühlen schlimm. Ich ersticke, ich ertrinke, ich vergesse fort zu laufen, ich werde missachtet, ich gehe ein. Ganz langsam, damit jeder zusehen kann. Mein Verschwinden als große Lebensleinwandpräsentation. Das Drehbuch wird gekürzt und einmal auf den Kopf gestellt. Und wir dachten so oft schon, wir hätten es hinter uns. Das Umkehren, nicht mehr wissen wo, verlaufende Schriften, falsch markierte Stellen, zerbrochenes Porzellan. Bitte, Danke, es ist wieder hier. Alte Katrastrophen potenziert. Hoch n.
Lay down. Breath in. Lay down.  
[...but here i stand in front of your door, all dressed in the colours of your soul. Waiting for the rain.]