Erinnerungen in Kisten.

Bierdeckel von versoffenen Partys, Flyer von durchgemachten Wochenenden, Fotos und Fotoschnipsel, leere Bilderrahmen.
Glückspfennige und -cents, beschriebene Postkarten, nie abgeschickte Briefe.  
Eintrittskarten und Zeitungsausschnitte, Todesanzeigen und ein Ultraschallbild.
'Little Princess und little Prince lives here'-Türschilder, alte Gitarrenseiten und Pleks, Krankenhausmundschutz und Zuckerpäckchen aus der Psychiatrie.
Tagebücher mit weißen Seiten, Tagebücher mit 2 verschiedenen Gesichtern.
Gedichte und Texte, Abschied und Liebesgeständnis.  
Familienportraits neben Freundschaftsschwüren, die große Liebe und der größte Schmerz.
Hustendropmetallboxen und kleine gefaltete Briefchen ohne Inhalt.
Gebetsfahnen mit unleserlichen Wünschen, Zeichnungen mit unerkennbarem Ausdruck.

All die Jahre, Gerüche, Lieben, Kämpfe, Minusleben, Plusmenschen. Auf ein paar Kisten verpackt, die man immer wieder aufmachen und überall mithinnehmen kann.



Dreitagebart und anderes Erwachsenes.

Ich gebe deine Sätze wieder, genau so, wie du sie normalerweise gesagt hättest. Aber nicht gesagt hast, weil du dich natürlich besonders gewählt ausdrücken wolltest. Als ob Argumente dann mehr zählen würden. Und dann sagst du, dass es Dich traurig macht mich so zu sehen.

Und lauter Dinge, die mir irgendwie weh tun, weil ich weiß, du sprichst eigentlich von Dir.

Und lauter Dinge, die ich doch irgendwie süß finde und auch deine hilflose Art und ich kann nicht anders als mir denken, wie gut du sein könntest.
Vielleicht, wie gut wir sein könnten und dass der Dreitagebart für mich ist und das Versprechen mit Matthias gilt und alles einfach gut wird.
Aber ich weiß, es wird nicht einfach alles gut, ich weiß es wird nicht einfach irgendwie. Ich weiß ich muss kämpfen und denken um Dich, um mich, um drei Leben. Aber ich weiß das ist es Wert, ich weiß das ist genauso bunt, ich weiß das ist genauso und das reinste Glück.

Und ich hoffe auf Dich.

Frühe Spätausgabe und die ewige Frage.


Ich höre die Nachrichtensprecherin aus dem Wohnzimmer zur Spätausgabe begrüßen. Und denke bei mir, dass es wohl eher eine Frühe ist. Und dann höre ich, dass Deutschland nun endgültig aus der Atomkraft aussteigt und danach irgendwas mit Erreger und Gurken. Oder eben Nichtgurken. Täglichunwichtiges Pseudowichtiges.
Daneben und ein bisschen deswegen fühle ich mich mies und krank und muss erstmal eine Rauchen. Und dann husten. Und dann an Dich denken.
Du hast mich angesteckt. Aber das war es sicher Wert.
Und heute, da habe ich einen kennengelernt, der ist schon beim Baader damals mitgefahren, zufällig, als Tramper. Meine Augen mussten geleuchtet haben als ich so auf dem Korbsessel auf Industriegelände saß und wohl als Einzige meinte „Echt?! Is ja sau cool!“
Irgendwie hab ich klar nur auf Dich gewartet. Aber du kamst klar irgendwie nicht.
[Morgen, und morgen, und dann wieder morgen,
Kriecht so mit kleinem Schritt von Tag zu Tag.]
„Wad soll der Mist? Immer die gleiche leere Leier. Entscheidung, Haltung, ins Leben, los jetzt Mädchen!“