OhneTitel

Wie ergeht es dir und deinem Leben da draußen, an diesem anderen Fleckchen Stadt?
Du hälst dein Gesicht hoffentlich weiterhin dem rauhen Alltagswind entgegen und genießt dabei die besonderen Gezeiten, irgendwer muss schließlich ein gutes Lebensbild abgeben und auf dem Weg sein, zu schaffen, was denn geschafft werden muss.
Sage übrigens Bescheid wenn du herausgefunden hast, wie man was herausfindet.

Ich wundere mich in der letzten Zeit, in der ein halbes Jahr auf ein paar Tage gequetscht wird und ich den Überlick in Zeitangaben verliere, über Erinnerungen, derer ich seit Erleben nicht mehr erinnert habe. Geformt aus langverlebten Bildern, druckfrisch aber doch Lichtjahre alt. Aus dem Nichts tauchen Geschichten, Worte, Lieder, Gesichter wieder auf, ich stoße auf fast vergessene Dinge.
Davon lebt man doch schließlich und letzendlich? Vom Erinnern, wie Atmen für's Gefühl, damit man weiß, wer man ist und war und sein wird.
In solchen Momenten wie 2011, in denen so viel hängenbleiben könnte. Aber nicht bleiben wird.
Im Zweifel bin Ich die, die hängenbleibt.
Orte und Menschen können schon einen Tag später nicht mehr als Realität und Reihenfolge eingeordnet werden. Da holt sich mein Gefühl den Geist zu Hilfe um nicht Atemnot zu leiden und kramt. Kramt nach noch nicht erinnerten Erinnerungen.
Hallo Vergangeheit, denke ich mir dabei, den Platz den du gerade besetzt bräuchte ich doch, den brauch ich doch für Fünftagesunterwegssein, braucht auch nur die Kapazität von einem Tag, wirklich, mach Platz!
Aber Geist und Gefühl haben einen Pakt geschlossen. Dass sie den Platz besetzen wollen, mit wertvollem. Minuten, Stunden und Sekunden aus Glück und Verrücktheit und Dir. Solange, bis wieder was anklopft, das ebenbürtig ist.
Ich schreie dann. Ich schreie um meinen Verstand, der mir sagt, dass ebenbürtig nicht machbar ist. Bedeutet das, mein Wesen bleibt ein Bruchstück aus einem Jahr?
Bis nach und nach dieses Jahr vergessen wird, die Natur auslöscht und ich am Ende aus nichts Anderem bestehe als aus der wagen Ahnung, als eine Erinnerung existiert zu haben. Wie fühlt sich das wohl an? Ich lasse meine Panik Fotos auf Haken aufhängen, künstlich hergestellte Rückblicke, verzweifelte Versuche den Moment 2008-2011 entstehen zu lassen und in die Zukunft zu tragen, nach einer Möglichkeit hadernd, mein Ich herzustellen und allem Leben einzuhauchen.

Weißt du, das soll sowas heißen wie: „Scheiße, ich verliere die Bezüge zu Realitäten, ich stoppe gerade an Punkten, die ich physisch längst passiert habe, einfach für meinen Kopf, der diese Schönheit von früher braucht, diese eine unsere Schönheit, der all die abgedrehten Dinge, Momente, Nächte und Katastrophen braucht. Diese Art brauche ich zum Leben. Und nun stehe ich da. Ich frage dich. Wie? Wann hast du deine Nischen gefunden, die magischen Momente, wovon zehrst du? Geht ebenbürtig? Geht ebenbürtig für den Moment? Leichter ist es sicher aufzugeben, nicht mehr zu suchen, zu löschen, auf Werkseinstellung zurückzusetzen.

Mein Gedächtnis soll gerade keine 2 Sekunden alt sein. Alles vergessen haben.

Doch noch erinnere ich mich, an alles.

Nun sage mir, wie ergeht es dir?