Und wir...

Da steht Japan kurz vor der Kernschmelze und wir heulen uns die Augen aus zu deutschen Pop-Liedermachern, winseln vor gebrochenem Herzen, ohne zu wissen, wie sich das anfühlt, platzen gedanklich in das Leben eines jeden, der irgendetwas anders macht und nehmen allen Wert, haben Angst vor der Zukunft und legen uns Bausparer an, halten uns für etwas Besseres, weil viele Leute unseren Namen kennen, haben eine große Liebe und fühlen uns sicher dabei, dieses Wort zwischen die anderen in unsere Erlebtablage legen zu können, haben ganz bestimmte Vorstellungen von teuren Küchen die nicht aus dem Katalog stammen sollen, kaufen neue Dinge und schmeißen die Alten weg, geben Antworten ohne die Frage zu kennen und stellen Fragen, ohne die Antwort wissen zu wollen, finden Klamotte wichtiger als Person, können uns Namen zu Gesichtern nicht merken, wissen oft selbst nicht was wir sagen, halten es aber für sehr wichtig, behaupten ehrlich zu sein und vertragen die Wahrheit nicht, betrauern die Vergänglichkeit aber halten nichts bis zum Schluß, setzen den Namen des Expartners als Passwort und vergessen es dann, stellen unser Gegenüber bloß und merken es nicht, warten und warten und warten ohne zu wissen worauf, sind genervt von unseren Nachbarn aber sind meist genauso laut.

Es soll ja alles so einfach sein, aber ich habe die Prioritätenliste verloren und baue eine Arche, für jede Art von Schmerz und Negativ einen Platz, nach mir die Sintflut.


Menschsein ist weder oben noch unten noch rechts noch links, vielleicht ein Wirbel aus Ende und Anfang, in sich endlos. Wir könnten so lange warten und dann nachsehen, was so übrig blieb.