Zwischen Szenerealrealität und Ich.

Wenn alles aus den Rudern läuft.
Die Welt macht eine Rolle rückwärts und hat niemanden vorgewarnt. Die Schwerkraft tut ihr übliches und alles fällt. Alles, das nicht zäh wie Kaugummi aneinanderklebt oder hart wie aus Beton ist, nimmt leichten Abschied und scheitert schön. Verglüht ohne Schweif wie nie.dagewesen. Merken und vergessen. Sich das merken, was man vergessen hat und alles vergessen, was man jemals wusste. Fußnoten sind wegradiert und Buchstaben werden ausgetauscht.
Es ergibt unreines Chaos und ineinander verstrickte Wollefäden aus fusseligem Grau. Alle Farben und alle Freundschaft wird ausgesaugt, landen im Beutel des großen Zweifels und richten sich´s dort schick ein. Der letzte Schluck des Großenganzen rettet nicht vor dem Verdursten, sondern ertränkt nur die letzten Bilder vom Verständnis.
Irgendwann, und zwar immer im Jetzt und Hier, denkt keiner mehr ans an den anderen Denken. Da ist jeder selbst im falschen Spiegel.

Fenster schließen, neuer Tab, Fenster schließen, neuer Tab, Fenster schließen...
Kippe aus, neue an, Kippe aus, neue an...
Selbstachtung besitzen, würdelos versagen, Selbstachtung besitzen, würdelos versagen, Selbsachtung besitzen...
Der Endlosreigen im scheinbaren Selbstbestimmen. Und wann warst du das letzte Mal ehrlich?
Der Wahrheitenwalzer und der Zustimmendewortetango von gestern oder heute Morgen, die zählen nicht, nie tun sie das.

::Gefickt, „Gefällt mir“ gedrückt, geschlafen oder nicht, Gezeiten überlebt, Gras verraucht, gut gewesen sein wollen.

Mancher Sturm kündigt sich nicht an, Teppichböden halten nicht mehr auf dem alten Putz. Die Seifenblasen platzen nicht mehr an Spitzfindigkeit sondern am dumpfen Fallenlassen.

Einer saß gestern das erste Mal in diesem Afterhourclub, saß so rum und fand´s ziemlich komisch, nich schräg oder strange, nein, komisch. Die Vier hier saßen ne Stunde in klirrender Kälte an ner Straßenbahnhaltestelle, die ausschließlich von ner falschen Linie befahren wurde, die zwei Anderen haben sich schnell und irgendwie gefunden, die hier ist schon längst ausgestiegen, über den Anderen wird hinter seinem Rücken geredet, aber er gehört so gern dazu, da ist ihm das egal oder er hat mit sich ausgemacht, dass er es gar nicht hört, Mancher bildet sich gern mehr ein als überhaupt sein witzloser Charme zu tragen scheint, Eine, die sieht gut aus und ist gleichzeitig noch viel zu jung um zu begreifen, das es auf´s Begriffenhaben ankommt, wieder Andere ergriffen Flucht, ob sie immer noch rennen oder sich nun durch Verfolgungsmarathonläufe kämpfen, weiß keiner. Die Ringelreihentänzer sehen am glücklichsten aus, doch wann der Drehwurm kommt wagt man schon zu verwetten. Bodenständig, viel zu schön, homosexuell, ziemlich schlecht gekleidet, immer braun gebrannt, wie seid ihr?
Egal wo, egal wann und egal warum, das Leben bleibt wie es ist und was es ist, am Ende kauert jeder in seinem Loch. Hast du es erhobenen Hauptes dorthin geschafft oder bist du gekrochen um doch noch Schutz zu suchen? Wenn wir das beantworten könnten, fehlen uns schon Stimme und Pochen in den Adern, der Augenaufschlag und die Fähigkeit Tee zu kochen für´s Antwortspielen.

Teilen, teilen, teilen, jedem das Seine, mir das von Ihr, auch das schicke von Ihm, Lob ansammeln und ins Inventar verschieben, fremde Blumen eigenhändig pflücken und verhängen.
Tippen, tippen, tippen, mir ein paar Floskeln zur Beruhigung, denen ein bisschen Respekt, ganz schnell verflogen, und dir noch blasphemisch die Liebe eines Lebens auf deine Pinnwand gekotzt.
Posten und immer wieder posten, um zu beweisen, zu erschaffen, zu erfinden, dich und
gleichermaßen mich mal zu beeindrucken.

„Wer geachtet sein will von denen, die er verachtet, wer den Mut aufbringt, der ist krank.“

Hängenbleiben an Textpassagen, Hängenbleiben am künstlichen Prahlhans, gewickelt in Geschenkpapier aus Ideologienfarbe mit Individualitätsschleifchen. Hängenbleiben auf Traumkino, dass für Wirklichkeitsbilder gehalten wird, Hängenbleiben an der Liebe zu sich selbst, die man aus den tiefsten Tiefen herauskramt aber in den vielen Nächten wieder verliert.
Der Spieler mit der höchsten Zahl beginnt.

Habt ihr sie noch alle oder treibt ihr in den stillen Wahnsinn hinein?

Und wir...

Da steht Japan kurz vor der Kernschmelze und wir heulen uns die Augen aus zu deutschen Pop-Liedermachern, winseln vor gebrochenem Herzen, ohne zu wissen, wie sich das anfühlt, platzen gedanklich in das Leben eines jeden, der irgendetwas anders macht und nehmen allen Wert, haben Angst vor der Zukunft und legen uns Bausparer an, halten uns für etwas Besseres, weil viele Leute unseren Namen kennen, haben eine große Liebe und fühlen uns sicher dabei, dieses Wort zwischen die anderen in unsere Erlebtablage legen zu können, haben ganz bestimmte Vorstellungen von teuren Küchen die nicht aus dem Katalog stammen sollen, kaufen neue Dinge und schmeißen die Alten weg, geben Antworten ohne die Frage zu kennen und stellen Fragen, ohne die Antwort wissen zu wollen, finden Klamotte wichtiger als Person, können uns Namen zu Gesichtern nicht merken, wissen oft selbst nicht was wir sagen, halten es aber für sehr wichtig, behaupten ehrlich zu sein und vertragen die Wahrheit nicht, betrauern die Vergänglichkeit aber halten nichts bis zum Schluß, setzen den Namen des Expartners als Passwort und vergessen es dann, stellen unser Gegenüber bloß und merken es nicht, warten und warten und warten ohne zu wissen worauf, sind genervt von unseren Nachbarn aber sind meist genauso laut.

Es soll ja alles so einfach sein, aber ich habe die Prioritätenliste verloren und baue eine Arche, für jede Art von Schmerz und Negativ einen Platz, nach mir die Sintflut.


Menschsein ist weder oben noch unten noch rechts noch links, vielleicht ein Wirbel aus Ende und Anfang, in sich endlos. Wir könnten so lange warten und dann nachsehen, was so übrig blieb.